Unabhängigkeit und soziale Teilhabe
für alte Menschen in Tansania
Renten stärken
alte Menschen
Unsere Programme
Altersrenten
Seit 2003 stärkt Kwa Wazee mit kleinen Rentenzahlungen die Lebenssituation älterer Menschen und ihrer Enkelkinder in Tansania. Die Unterstützung verbessert Ernährung, Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe.
Gesundheit
Kwa Wazee stärkt die Gesundheitsversorgung älterer Menschen in Tansania. Untersuchungen, Behandlungen, Augenversorgung und Sportangebote helfen, Krankheiten vorzubeugen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Support-Gruppen
Nachbarschaftsgruppen ergänzen die Renten von Kwa Wazee und schaffen ein wichtiges Sicherheitsnetz. Gemeinsames Sparen, gegenseitige Unterstützung und einkommensschaffende Projekte stärken die Selbstständigkeit älterer Menschen.
Advocacy
Kwa Wazee setzt sich für die Rechte älterer Menschen ein und wirkt gegen Diskriminierung, Gewalt und Ausgrenzung. Dialog, Beratung und politische Interessenvertretung stärken ihre soziale Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe.
Wirtschaftliche Stärkung
Kwa Wazee stärkt die wirtschaftliche Unabhängigkeit älterer Menschen durch klimaresilienten Ananasanbau und Ziegenhaltung. Landwirtschaft, Selbsthilfegruppen und Peer-Learning verbessern Einkommen, Ernährung und soziale Sicherheit.
Schutz vor dem Klimawandel
Kwa Wazee unterstützt ältere Menschen in Kagera dabei, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Klimaresiliente Anbaumethoden, dürretolerante Setzlinge und gezielte Schulungen stärken Ernährungssicherheit und Widerstandskraft.
Was wir im letzten Jahr erreicht haben
Eine Rente, die Würde schenkt
Wenn das Leben auf einen einzigen Raum schrumpft, ist jede noch so kleine Unterstützung lebenswichtig.
Ich lernte eine Frau kennen, deren Welt sich auf die vier Wände ihres Zimmers beschränkte.
Gerardina Anakeleti Mukabanabi ist 91 Jahre alt und lebt im Weiler Kishojo beim Dorf Nshamba. Seit vier Jahren kann sie nicht mehr aufstehen. Sie verlässt ihr Zimmer nicht und sieht die Welt draussen nicht mehr. Ihre Beine und Hüften versagen, ständige Schmerzen begleiten sie. Tagsüber liegt sie da und lauscht den Geräuschen des Lebens draussen:
Kinderstimmen, Nachbarschaftsgespräche, der Wechsel der Jahreszeiten – während sie selbst still bleibt.
Manchmal, erzählt sie, vergisst sie fast, wie es draussen aussieht. Nicht aus Desinteresse, sondern weil das Erinnern schmerzt. Gerardina erreicht die Toilette nicht allein. Oft wird ihr ein Waschbecken gebracht – manchmal kommt die Hilfe zu spät. Diese Momente mindern ihre Würde auf eine Weise, die schwer in Worte zu fassen ist. Sie spricht ruhig darüber, doch die Schwere ihrer Worte füllt den Raum.
Bevor sie die Kwa-Wazee-Rente erhielt, war ihr Leben noch viel härter. Trotz unerträglicher Schmerzen versuchte sie zu arbeiten, denn es gab keine Alternative. Sie ass, was sie fand – oft Bananen, die ihr starke Bauchschmerzen und wiederholte Krankenhausaufenthalte einbrachten.
Der Hunger zwang sie, die Schmerzen dem Verhungern vorzuziehen.
Heute erhält Gerardina über das Rentenprogramm von Kwa Wazee monatlich 14 500 Tansania-Schilling (ca. 5 Franken). Für Aussenstehende mag das wenig erscheinen. Für sie bedeutet es den Unterschied zwischen ständigem Leiden und spürbarer Linderung. Mit der Rente kauft sie leicht verdauliche Lebensmittel wie Reis, Mehl, Milch und Kartoffeln.
Sie kann sich Schmerzmittel besorgen, wenn die Nächte zu hart werden. Das heilt zwar nicht, macht das Leben aber erträglicher.
Die Wirkung reicht über Gerardina hinaus. Auch ihre Schwiegertochter Silvia Anakeleti (46), die sie täglich pflegt, spürt eine leichte Entlastung. Die Familie kann etwas durchatmen. Die Pflege bleibt möglich – nicht, weil die Schwierigkeiten verschwunden wären, sondern weil sie nicht mehr ganz allein getragen werden müssen.
Da Gerardina nicht reisen kann, holt ein vertrauenswürdiges Gemeindemitglied ihre Rente ab und bringt sie ihr vorbei. Dieses stille System aus Vertrauen funktioniert zuverlässig. Es zeigt sich: Auch in extremer Verletzlichkeit helfen sich Menschen gegenseitig, wenn ihre Gemeinschaften gestärkt und ernst genommen werden.
Auf meine Frage, was die Rente für sie bedeutet, antwortet Gerardina: „Jeden Monat bete ich für die Spender. Ich bitte Gott, sie zu segnen und ihnen die Kraft zu geben, sich weiter an die Menschen zu erinnern, die schwach, unsichtbar und ohne eigene Stimme sind.“
Mehr als hundert ältere Menschen in unserem Programm teilen Gerardinas bittere Realität: Sie können weder gehen noch reisen oder arbeiten und sind vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen.
Die Begegnung mit Gerardina hat mein Verständnis von sozialer Sicherheit nachhaltig vertieft. Würde zeigt sich nicht immer in grossen Gesten. Oft liegt sie in kleinen, verlässlichen Beträgen, die es ermöglichen, ohne quälenden Hunger zu essen, ohne Angst zu schlafen und sich wirklich wahrgenommen zu fühlen.
